AUFSTEHEN für die Gesundheit – Einige beängstigende Wahrheiten über das Sitzen

Melissa A. Bartoszewski

Die meisten Menschen sitzen heute bei der Arbeit, oftmals acht Stunden pro Tag oder noch mehr. Sie meinen, Ihre Schreibtischarbeit sei nicht ungesund? Dann denken Sie noch einmal nach.

Wer viel sitzt, ob zu Hause oder bei der Arbeit, der schadet seiner Gesundheit sogar auf vielfältige Weise. Rauchen, Alkohol, kein Sport und Junk Food – all das ist nicht gesund, aber bei dieser Liste dürfen wir auch das Sitzen nicht vergessen. »Sitzkrankheiten« verkürzen unser Leben und erhöhen die Kosten der Gesundheitsfürsorge.

Was passiert beim Sitzen?

Sitzen bedeutet geringen oder gar keinen Energieverbrauch, »die Kalorienverbrennung sinkt auf eine pro Minute«. Es mindert die Aktivierung der unteren Rückenmuskulatur. »Die elektrische Aktivität in den Beinen wird gekappt und der Spiegel der Enzyme, die an der Umwandlung von Fett beteiligt sind, geht um 90 Prozent zurück.« Nach zwei Stunden sinkt der Wert des guten Cholesterins um 20 Prozent und nach 24 Stunden lässt die Wirksamkeit von Insulin um 24 Prozent nach. Damit steigt das Risiko einer Diabetes-Erkrankung. »Menschen mit einer sitzenden Tätigkeit leiden doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Menschen, die bei der Arbeit stehen. Wenn Sie täglich sechs Stunden und mehr sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in den nächsten 15 Jahren sterben, um 40 Prozent höher als bei einem anderen, der weniger als drei Stunden sitzt, und zwar selbst dann, wenn Sie Sport treiben.« (MedicalCoding&Billing.org) Viele von uns sitzen länger als sie schlafen.

Das Sitzen wirkt sich negativ auf unsere Körpersysteme, unsere Wirbelsäulenmuskulatur und unsere Kraft aus. Längeres Sitzen führt dazu, dass sich die unteren Rückenmuskeln »zurückhalten«. Wenn die Muskeln nicht richtig arbeiten, müssen Strukturen wie Bänder und Bandscheiben Überstunden machen (Mörl 2012). Unsere Rumpfmuskeln werden schlaff und faul. Längeres Sitzen und Schmerzen im unteren Rücken hängen zusammen. Der Hüftbeuger-Muskel (Iliopsoas) wird durch das Sitzen verkürzt und verspannt, was wesentlich zu Schmerzen im unteren Rückenbereich beiträgt. Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken weisen eine »Atrophie der Lendenmuskulatur« auf. Besonders betroffen sind der lange Rückenstrecker und die kurzen Rückenmuskeln; die Ursache sind Inaktivität und Inaktivierung – und dafür ist hauptsächlich das Sitzen verantwortlich (Mörl 2012). Bei einer Studie zeigte sich auch, dass »die Aktivierung der Lendenmuskulatur beim Sitzen auf einem Gymnastikball oder verschiedenen dynamischen Bürostühlen unverändert bleibt« (McGill u.a. 2006, Ellegast u.a. 2012).

Die Zeitschrift Diabetologia hat eine Meta-Analyse des Zusammenhangs zwischen Sitzen und Krankheit durchgeführt. Das Ergebnis: »Die sitzend verbrachte Zeit steht in Verbindung mit einem erhöhten Risiko von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung und einer höheren Herz-Kreislauf- und allgemeinen Sterblichkeit; der Zusammenhang zeigt sich am deutlichsten beim Diabetes.« (Wilmot u.a. 2012).

Haben wir deshalb so viele Fettleibige, weil wir mehr essen und uns weniger bewegen? Adipöse Menschen sitzen im Durchschnitt pro Tag zweieinhalb Stunden länger als »Dünne«. Der Anteil derer, die Sport treiben, hat sich von 1980 bis 2000 nicht verändert, aber die Zeit, die im Sitzen verbracht wird, hat sich auf acht Prozent verdoppelt – und entsprechend ist unser Taillenumfang gewachsen.

Bewegen Sie sich!

Stehen Sie mindestens alle 30 Minuten auf und gehen Sie ein paar Schritte, kurbeln Sie den Kreislauf an, dehnen Sie die Muskeln, trinken Sie etwas, usw. Stellen Sie neben das Telefon oder den Computer einen Kurzzeitwecker, der Sie ans Aufstehen erinnert … Sie könnten es sonst vergessen. Sie können von Ihrem Schreibtisch nicht weg? Dann stehen Sie zumindest auf und gehen Sie ein paar Schritte.

Sitzen Sie zu Hause, bei Meetings, einer Party, im Zug oder Bus so wenig wie möglich. Wenn Sie den ganzen Tag bei der Arbeit sitzen und sich dann am Abend zu Hause hinsetzen, um sich zu »entspannen«, dann tun Sie Ihrem Körper damit keinen Gefallen. Drei Stunden Fernsehen pro Tag erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzerkrankung zu sterben, um 64 Prozent. Wenn Sie meinen, unbedingt fernsehen zu »müssen«, dann machen Sie dabei Hampelmann-Übungen, Kniebeugen, etwas Hanteltraining oder Yoga oder stehen Sie einfach, zumindest während der Werbeeinblendungen. Das Leben ist zu kurz, um es vor dem Fernseher sitzend zu verbringen und dabei langsam zu sterben.

Nehmen Sie wo immer möglich die Treppe, wählen Sie nicht den nächstgelegenen Parkplatz, lassen Sie so oft es geht das Auto zu Hause und gehen Sie zu Fuß oder nehmen Sie das Rad. Denn auch die Zeit, die wir im Auto sitzen, addiert sich. Viele Büros führen inzwischen Stehpulte ein, um die Zeit, die im Sitzen gearbeitet wird und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme zu senken. Die Aktivierung der Muskeln im Lendenwirbelbereich verbessert sich durch Bewegung und Stehen, durch besondere Stühle wird ihr Rücken nicht bewegt. Sport und Bewegung kann Ihnen kein Stuhl abnehmen.

Bewegung ist Leben.

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