Leibesvisitation für das Internet

Heimlich hat die UN-Fernmeldeunion einen Standard zur Durchsuchung von Daten im Netz verabschiedet. Die Details wurden durch eine Panne bekannt.von Torsten Kleinz

Missliebiges punktgenau herauspicken: Deep Packet Inspection.  Bild:  seraph / photocase.com

Oft wurde die Internationalen Fernmeldeunion für mangelnde Transparenz gescholten – obwohl die UN-Organisation ihre Sitzungen auf der Weltkonferenz der Telekommunikation (WCIT) in Dubai sogar live ins Internet überträgt, können sich die Zuschauer nur ein sehr eingeschränktes Bild machen, was die Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten tatsächlich beschließen. Viele Dokumente bleiben für die Öffentlichkeit verschlossen, wichtige Sitzungen werden hinter verschlossenen Türen abgehalten.

Doch manchmal überrascht sich die ITU selbst. Als bekannt wurde, dass die ITU bereits einen wichtigen Schritt in Richtung Internetüberwachung getan hatte, musste der australische Journalist und Internetaktivist Asher Wolf nur auf Twitter nachfragen und schon bekam er das eigentlich vertrauliche Protokoll 30-E einer ITU-Arbeitsgruppe zugesandt. Erst zu spät bemerkte die Organisation, was ihr da durch die Finger geschlüpft war und forderte Wolf auf, das Dokument auf keinen Fall zu veröffentlichen. Er tat es aber trotzdem.

Der Inhalt ist brisant. Denn das Dokument zum Thema „Künftige Netzwerkinfrastrukturen, inklusive Mobilnetze und Netzwerke der nächsten Generation“ enthält Vereinbarungen, wie die umstrittene Deep Packet Inspection umzusetzen sei. Deep Packet Inspection – kurz: DPI – ist sozusagen die Leibesvisitation für Datenströme.

Bisher behandeln Provider Datenpakete im Prinzip gleich. Ein Datenpaket wird mit einer Zieladresse eingeliefert und der Provider leitet es einfach weiter in Richtung Empfänger. Dieses Prinzip der „Netzneutralität“ unterscheidet das Internet von vorher verbreiteten Telekommunikationstechniken, die jede Art von Datenverkehr unterschieden, so dass die Firmen ihre Kunden entsprechende Gebühren in Rechnung stellen konnten. Das Internet kennt keine Orts- und Ferngespräche – bisher ist es weitgehend egal, ob eine Datenverbindung eine E-Mail, einen Videostream oder eine Webseite enthielt. Jeder gibt die Daten so schnell weiter, wie er konnte.

Doch damit soll bei den „Next Generation Networks“, die große Telekommunikations-Konzerne seit Langem planen, Schluss sein. Sie wollen Datenpakete nach sortieren und verschieden behandelt. Offizielle Begründung: Die Auslastung und Qualität der Netze kann so verbessert werden. Eine E-Mail kann ruhig ein paar Sekunden aufgehalten werden, bei Sprachverbindungen hingegen ist jede Millisekunde wichtig.

zum Artikel..

 

Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Enthüllungen, Kontrolle, Politik, Recht abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s